Nachttauchen

Wieso nachts tauchen?

Nachts zu tauchen ist ein ganz besonderes Erlebnis. Nicht nur, weil sich die Flora und Fauna nachts ändert sondern weil man auch selbst in einer ganz anderen Stimmung ist.

„Ich würde mir vor Angst in die Hose machen!“ oder „Sieht man da denn überhaupt etwas?“ sind die allgemeinen Reaktionen wenn man über das Nachttauchen spricht. Was das sehen angeht, erwidere ich, dass wir ja auch an Land in der Nacht gut sehen können, dank künstlichem Licht. Nichts anderes verwendet man unter Wasser auch: Wasserfeste Lampen. Und Angst? Angst muss man erst recht nicht haben – allerdings sollte man einen gewissen Respekt mitbringen. Mehr dazu unter den Verhaltensregeln.

Kommen wir noch mal zum „Wieso?“: Der vordringlichste Grund ist, dass sich nachts die Unterwasserwelt vollständig ändert. Nachtaktive Tiere kommen aus ihren Verstecken, Pflanzen ziehen sich zurück und geben den Blick frei auf bis dato uneinsehbare Ecken oder fangen an zu blühen. Viele Schnecken, Krebse, Oktopusse und Kalmare sieht man nachts am häufigsten – manchmal sogar frei im Wasser oder gar jagend. Kurzum: es ist ein einzigartiges Erlebnis und selbst bekannte Tauchplätze entdeckt man auf die Art und Weise komplett neu.

Ein weiterer Grund nachts zu tauchen ist die eigene Stimmung. Der Körper bereitet sich auf den Schlaf vor, man ist entspannt und dank der Dunkelheit in einer ganz besonderen Stimmung. Die Aufmerksamkeit verteilt sich nicht auf ein 365° Blick um einen herum sondern fokussiert sich im Scheinwerferkegel. Alles wird daher noch intensiver wahrgenommen. Alles in Allem hat es etwas meditatives, ruhiges.

Last but not least gibt es nachts auch bedeutend weniger Neoprenfisch und viel weniger Störungen unter Wasser. Da Tauchgänge meist von der Tiefe her stark begrenzt sind und auch örtlich eingekreist werde, kann man sich auf das Fotografieren der faszinierenden Unterwasserwelt im Scheinwerferkegel konzentrieren. Man wird nicht durch ein abermals weit weg liegendes Motiv abgelenkt – das, was man direkt vor der Linse hat, erscheint einem in dem Moment als das wichtigste auf der Welt.

Nachttauchen ist faszinierend, stellt aber auch einige Anforderungen an die Ausrüstung und an den Taucher:

Ausrüstung

  • Hauptlampe
    Die Akkus oder Batterien der Hauptlampe sollten voll geladen sein und man sollte ihre Brenndauer gut kennen. Die Brenndauer bestimmt im Zweifel die maximale Dauer des Tauchgangs!
  • Backup Lampe
    Jede Tauchgruppe, besser aber jedes Buddyteam oder (noch besser) jeder Taucher sollte eine Backup Lampe mit sich führen, sollte die Hauptlampe ausfallen.
  • Fini- Tiefenmesser und Computer ablesen mit Lampe
    Man sollte sich darauf vorbereiten sein Fini, Tiefenmesser und Computer mit Hilfe der Lampe ab zu lesen. Einfacher ist es, wenn Tiefenmesser und Fini Nachleuchtend sind und der Computer eine eingebaute Beleuchtung besitzt.
  • Ausrüstung sollte bekannt sein
    Die Ausrüstung mit der getaucht wird, sollte gut bekannt sein. Man sollte in einem Nachttauchgang keine neuen Ausrüstungsgegenstände ausprobieren sondern nur altbewährtes tauchen um alles im Notfall gut zu finden und keine Überraschungen zu erleben.
  • Buddycheck
    Auch ein Buddycheck ist vor JEDEM Tauchgang selbstverständlich. Aber vor einem Nachttauchgang vielleicht noch ein kleines Stück wichtiger. Denn oft zieht man sich erst im halbdunkel oder dunkel an und der Spielraum für Fehler ist in der Nacht noch kleiner als tagsüber.

Verhaltensregeln

Planung

  1. Nachttauchgänge sollten nur an vom Tag bekannten Tauchplätzen stattfinden
    Mindestens der Guide sollte sich an dem Tauchplatz bestens auskennen. Idealerweise haben alle Taucher diesen bereits tagsüber betaucht und einen groben Überblick über den Tauchplatz.
  2. Nachttauchgänge sollten nur bei besten Bedingungen stattfinden
    Das bedeutet: Keine großen Wellen, keine starke Strömung, sie sollten nicht bzw. nicht annähernd an Tiefengrenzen durchgeführt werden oder gar Deko-Tauchgänge sein.
  3. Die Rettungskette muss auch Nachts funktionieren
    Bei Tauchbasen bedeutet dies, dass diese länger geöffnet sein muss oder das Personen an Land ein Auge auf den Tauchgang haben sollten um ggf. die Rettungskette aus zu lösen.
  4. Der Einstieg sollte auch nachts gefahrlos und einfach (auch für Rettungskräfte) zu begehen sein
    Sonst läuft man Gefahr, dass man, selbst wenn nur Kleinigkeiten passieren, nicht mehr selbst aus dem Wasser kommt oder, dass die Rettungskräfte unnötig lange brauchen um zur Hilfe zu eilen. Auch für sich selbst erhöht man die Unfallgefahr, wenn man mit einigen Dutzend Kilo Ausrüstung einen schwierigen Ausstieg bewältigen muss.

Vorbesprechung

  1. Buddyteams bilden
    Es sollten unbedingt (eigentlich ja immer) eindeutige Buddyteams gebildet werden. Jedes Buddyteam (idealerweise jeder Taucher) sollte eine Backup-Lampe besitzen. Unerfahrenere Nachttaucher sollten mit Erfahrenen in einem Team tauchen.
  2. Kleine Tauchgruppen
    Man sollte auch darauf achten, dass die Tauchgruppen insgesamt nicht zu groß werden und das es ein gutes Verhältnis Guide zu Taucher gibt
  3. Maximale Tiefe, maximale Zeit und Tauchroute festlegen
    Dies sollte eigentlich auch bei jedem Tauchgang vorher gemacht werden, bei Nachttauchgängen ist es jedoch umso wichtiger, dass jedem die Tauchgangsplanung gut bekannt ist. Bei der Planung ist im besonderen auch der individuelle Luftverbrauch mit ein zu rechnen, der ggf. nachts höher sein kann sowie die maximale Brenndauer der Lampen.
  4. Licht- und Handsignale durchgehen
    Die Licht- und Handsignale sollten vor dem Tauchgang nochmal allen Klar sein. Mit dem Licht einmal im Kreis geleuchtet bedeutet „OK“, schwenkt man das Licht von oben nach unten heisst das „Nicht Ok“ oder „Problem“. Handsignale werden unter Wasser angeleutet, sodass das Gegenüber sie sehen kann.

Durchführung

  1. Suche die Nähe zum Buddy
    Natürlich sollte man sich immer in der Nähe seines Buddy befinden. Jedoch sollte man nachts doppelt darauf achten nicht die Nähe zum Buddy zu verlieren da man ihn nicht gut sehen kann (man leuchtet sich ja gegenseitig an).
  2. Ein- und Ausstiegsstelle unter- und Überwasser mit einem Licht markieren
    Nachts kann es schwierig sein, den Ausstieg unter Wasser zu finden. Daher sollte man ihn im Zweifel mit einer Lampe oder einer Blitzlampe markieren. Auch den Ausstieg über Wasser kann man markieren, sodass man ihn leichter wiederfindet, sollte man an einer anderen Stelle auftauchen müssen.
  3. Blende niemals andere Taucher mit deinem Licht
    Tauchlampen sind oft extrem hell – auf diese Weise kann man sogar gesundheitliche Schäden verursachen. In jedem Fall aber schränkt man die Sicht seines gegenüber mittelfristig ein. Daher sollte man seine Tauchlampe immer Richtung Boden halten
  4. Blende Lebewesen nicht unnötig mit deinem Licht
    Auch Lebewesen sollten Unterwasser nicht unnötig geblendet und angeleuchtet werden denn so stört man ihren natürlichen Ablauf und verursacht unnötig Stress. Man sollte auch nicht versuchen schlafende Fische zu berühren, denn sie umgibt ein fast durchsichtigen, geruchsneutralen Schutzkokon, der sie vor Fressfeinden schützen soll.
  5. An der Wasseroberfläche nicht unnötig mit der Lampe winken oder umherleuchten
    Zum einen kann die Erwärmung über Wasser und die schlagartige Abkühlung der Lampe im Wasser schaden, zum anderen kann das Umherleuchten leicht als Notsignal verstanden werden. Daher sollte man die Lampen wenn es irgend möglich ist, über Wasser sofort ausschalten. Sollte man dennoch kurz Licht benötigen, dann sollte man zielgerichtet das „Problem“ anleuchten und die Lampe dann wieder löschen.
  6. Achte besonders auf deine Tarrierung
    Denn aufgewirbelte Schwebeteilchen sind nachts noch viel unangenehmer als sie tagsüber schon sind. Wenn es zu schlimm wird, können sie sogar das sichere Finden des Ausstieges verhindern. Ein etwas größerer Abstand zum Boden, zu Korallen und Pflanzen kann daher nicht schaden.

Impressionen

Hier einige Impressionen von Nachttauchgängen in heimischen Seen und auf Bali:


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