Tauchen in heimischen Seen

Eines der meist gestellten Fragen, wenn ich von meinen Tauchgängen in Deutschland erzähle ist, ob man denn überhaupt was sieht, und ob es überhaupt schön ist in Deutschland zu tauchen. Denn vielen denken nur an weiße Sandstrände, bunte Fische und glasklares Meerwasser, nicht aber an den heimischen See um die Ecke. Viele, besonders Nicht-Taucher, wissen oft überhaupt nicht, dass man hier überhaupt tauchen gehen kann, geschweige, was es zu sehen gibt.

Was gibt es zu sehen?

Ich für meinen Teil hatte einige meiner entspanntesten und auch schönsten Tauchgänge in heimischen Seen. Natürlich sind diese nicht so spektakulär wie Tauchgänge im Meer. Auch findet man weder Haie, Mantas, Tintenfische oder Korallen. Dafür lernt man eine ganz eigene Seite der Heimat kennen, die man zuvor noch nie hat wahrnehmen können. Und diese Seite kann sehr schön sein! Sie besteht aus Hechten, Karpfen, Zander, Aal, Karpfen, unheimlich viel Schwarmfisch bis hin zu über 2m großen Welsen. Hinzu kommen Süßwasserquallen, Wandermuscheln und vieles mehr. Doch nicht nur die Fauna ist interessant, auch die Flora. Sie reicht von Laichkraut, Tausendblatt über Hahnenfuss bis hin zu Teichrosen. Bis hinab zur Kompensationszone (je nach See unterschiedlich – bis meist um die 15 bis 20 Meter Tiefe; in Abhängigkeit von der Trübung des Wassers) sind Seen zum Teil stark bewachsen. Darunter befeindet sich häufig nur spärlicher Algenbewuchs und viel Sand oder Kies. Der Bewuchs unterscheidet sich stark von See zu See und von Jahreszeit zu Jahreszeit. Auf diese Weise ist kein Tauchgang wie der Andere und es gibt immer etwas zu sehen und zu entdecken.

Ist es nicht kalt und dunkel?

Die Sichtweiten sind bei Weitem nicht mit dem zu vergleichen was man im Meer gewohnt ist. Selbst schlechte Sicht im Meer ist oft noch sehr viel besser als das, was man im See erleben kann. Allerdings kann man auch hier auf Sichtweiten von 10 bis 15 Metern kommen an sehr klaren und hellen Tagen. Allerdings sind „gute“ Sichtweiten in einem See schon ab 5 Metern. Manchmal ist die Sicht noch schlechter – spätestens unter 1 1/2 bis 2 Metern sollte man sich die Frage stellen ob es Sinn und Spaß macht. Aktuelle Sichtweiten kann man entweder bei den Tauchclubs oder Tauchbasen erfragen oder in Foren oder Facebook Gruppen. Häufig bekommt man hier in wenigen Stunden einen einigermaßen aktuellen Bericht über die Verhältnisse im See.

Faktoren welche die Sicht beeinflussen können sind unter Anderem das Algenwachstum, das betauchen durch unerfahrene „grundelnde“ Taucher, Eintrag von Schlamm und Partikel durch Zuflüsse oder aufsteigendes Grundwasser welches Sediment nach oben drückt. Natürlich spielt auch das natürliche Sonnenlicht eine große Rolle bei der Sichtweite. An bewölkten Tagen ist die subjektive Sichtweite deutlich schlechter als an sonnigen Tagen.

Die Temperaturen in den heimischen Seen hängen stark von der Jahreszeit und der Tauchtiefe ab. Ab ca. 20 Metern spielt die Jahreszeit jedoch kaum noch eine Rolle. Hier ist es beständig um die 4 bis 6°C kalt. An der Oberfläche dahingegen kann es schon auch mal gemütliche 25°C haben. Daher sollte man sich vorher überlegen wie tief der Tauchgang gehen soll – besonders im Sommer. Denn ein längerer Aufenthalt in flachem Gewässer mit der Wärmeisolation die man braucht für die Tiefe, kann schnell unangenehm warm werden. Umgekehrt ist es sehr unangenehm ohne Kopfhaube oder Handschuhe zu tauchen wenn es tief wird – unterschätzt man den Temperaturabfall droht schnell eine Unterkühlung.

Allerdings lohnt es sich trotzdem! Trotz Kälte und schlechterer Sicht, unsere heimischen Seen sind häufig sehr schön. Wer dies verneint, hat noch keinen schönen See gesehen und sollte unbedingt weiter am Ball bleiben. An alle Urlaubstaucher: Probiert es aus!

Und hier noch einige Impressionen aus unseren Seen:


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