Oder auch: Acht Cenoten-Tauchgänge, die unseren Mexiko-Urlaub verändert haben.
Wir waren vom 14. bis 28. August 2026 in Playa del Carmen und hatten vor der Reise gedacht: Zwei, vielleicht drei Tage Cenoten-Tauchen wären schön. Schließlich waren wir nicht allein unterwegs, sondern als Familie mit unserer Tochter Clara. Mexiko sollte schließlich nicht nur unter Wasser stattfinden.
Am Ende standen vier Tauchtage, acht Tauchgänge und insgesamt 433 Minuten Tauchzeit in unseren Logbüchern. Das sagt vermutlich schon ziemlich viel darüber aus, was die Cenoten mit uns gemacht haben.
Dazu kam ein Land, das uns auch über Wasser überraschend schnell in seinen Bann gezogen hat. Wir haben selten so viele offene, freundliche und herzliche Menschen erlebt. Hinzu kamen hervorragendes Essen, die karibische Küste und natürlich die Kultur der Maya. Chichén Itzá beispielsweise gehört seit 1988 zum UNESCO-Welterbe und war eines der bedeutendsten Zentren auf der Halbinsel Yucatán.
Aber wenn ich heute an diese zwei Wochen zurückdenke, landen meine Gedanken erstaunlich schnell wieder dort, wo von oben eigentlich gar nicht besonders viel zu sehen ist: bei irgendwelchen Löchern mitten im Dschungel. Denn unter diesen Löchern beginnt eine komplett andere Welt.
Ein Loch im Dschungel und darunter eine andere Welt

Cenoten sind natürliche Zugänge zu den riesigen unterirdischen Wassersystemen der Halbinsel und gehören zu den Markenzeichen Yucatáns. Der Untergrund besteht größtenteils aus Kalkstein. Regenwasser dringt ein, löst über lange Zeit Teile des Gesteins und schafft Hohlräume. Stürzt die Decke eines solchen Hohlraums teilweise oder vollständig ein, entsteht ein Zugang von der Oberfläche: eine Cenote.
Von oben kann so eine Cenote aussehen wie ein kleiner See, ein dunkles Loch oder ein unscheinbarer Teich zwischen Bäumen. Unter Wasser hängen diese Zugänge teilweise mit kilometergroßen Höhlensystemen zusammen.
Und genau da muss man sprachlich etwas sauber unterscheiden.
Cenoten-Tauchen ist nicht gleich Höhlentauchen!
Die klassischen geführten Cenoten-Tauchgänge für Sporttaucher finden in der sogenannten Cavern Zone statt und werden deshalb auch als Grotten- oder Cavern-Tauchgänge bezeichnet. Dabei taucht man in einen überdachten Bereich hinein, bleibt aber innerhalb klar definierter Grenzen, in begrenzter Entfernung zum offenen Wasser und folgt einer permanenten Führungsleine.
Vollständiges Cave Diving geht deutlich darüber hinaus und verlangt spezielle Ausrüstung sowie eine entsprechende Höhlentauchausbildung.
Das klingt zunächst nach einer akademischen Unterscheidung. Spätestens unter Wasser versteht man aber sehr schnell, warum diese Regeln existieren.
Tauchen mit Stefan von Cenote Adventures
Stefan betreibt Cenote Adventures als persönlichen Guide-Service in Playa del Carmen und hat sich auf Cenoten-Tauchgänge in kleinen Gruppen von bis zu vier Tauchern spezialisiert. Was auf einer Website natürlich erst einmal gut klingt, muss sich in der Praxis beweisen. Und da können wir nur sagen: Stefan war hervorragend.
Er achtet auf Details. Das merkt man schon bei seinem gut 45-minütigen Intro ins Cenoten-Tauchen, das gleichzeitig sehr informativ und unterhaltsam ist. Vieles davon bemerkt man anfangs kaum, aber Stefan hat alles im Blick: wie die Ausrüstung sitzt, wie viel Blei man dabeihat, ob irgendwo an der Ausrüstung Blasen austreten, wie jemand tariert und sich im Wasser bewegt, wie die Gruppe aufeinander reagiert oder ob jemand zu schnell, zu langsam oder mit zu viel beziehungsweise zu wenig Abstand zur Person vor ihm unterwegs ist. Vor jedem Tauchgang gab es ein sehr genaues Briefing, und unter Wasser hatten wir nie das Gefühl, einfach nur einer Lampe hinterherzuschwimmen.
Das Ergebnis war erstaunlich: Natürlich wussten wir, dass wir uns teilweise unter einer Felsdecke befanden und nicht einfach auftauchen konnten. Teilweise war in den stockfinsteren Bereichen nicht einmal mehr ein Lichtschimmer zu sehen, geschweige denn der Ausgang. Trotzdem haben wir uns zu keinem Zeitpunkt unwohl oder unsicher gefühlt. Das ist wahrscheinlich das größte Kompliment, das man einem Guide in diesem Umfeld machen kann.
Dabei blieb es nicht bei Tauchtechnik und Sicherheitsregeln. Stefan kennt die Cenoten wie seine Westentasche und führte uns gezielt zu den Tauchplätzen, die zu den jeweiligen Bedingungen passten. Dabei spielten Sonnenschein und Sonnenstand ebenso eine Rolle wie die Frage, ob es in den Tagen zuvor stark geregnet hatte. Zudem wusste er ganz genau, bei welchen Cenoten es darauf ankam, morgens zu den Ersten im Wasser zu gehören. Nicht nur wegen möglicher aufgewirbelter Schwebeteilchen, sondern auch, um eine vollkommen ungestörte, glasklare Wasseroberfläche und den besten Blick hinaus in den Dschungel zu haben.
Darüber hinaus erzählte Stefan über die Cenoten, ihre Entstehung, Land und Leute, das Leben in Mexiko und Dinge, die man in keinem Reiseführer findet. Dadurch wurden selbst die Fahrten durch den Dschungel zwischen den Tauchgängen zu einem Teil des Erlebnisses.
Für uns kam noch etwas sehr Persönliches hinzu. Stefans Partnerin Bea kümmerte sich während unserer Tauchtage hervorragend um Clara. Das ist ausdrücklich kein regulär angebotener Babysitter-Service von Cenote Adventures und soll hier auch nicht als solcher dargestellt werden. Für uns machte diese Ausnahme aber überhaupt erst möglich, vier komplette Tauchtage miteinander zu verbringen. Dafür sind wir beiden bis heute sehr dankbar.
Wir werden uns auf jeden Fall beim nächsten Mal wieder Stefan anvertrauen und empfehlen ihn uneingeschränkt wärmstens weiter!
Unsere acht Tauchgänge
| Cenote | Max. Tiefe | Dauer |
|---|---|---|
| Kukulkan | 14,5 m | 54 min |
| Chac Mool / Little Brother | 12,5 m | 52 min |
| Dos Ojos: Bat Cave | 8,0 m | 55 min |
| Dos Ojos: Barbie Line | 10,0 m | 48 min |
| Chikin Ha | 14,0 m | 63 min |
| Jardín del Edén / El Eden | 13,4 m | 60 min |
| Orquídea | 25,8 m | 45 min |
| Tajma Ha | 13,6 m | 56 min |
Was diese Tabelle überhaupt nicht zeigt: Kein einziger dieser Tauchgänge fühlte sich wie eine Wiederholung des vorherigen an.
Die Fotosituation
Leider ist das Fotografieren in den Cenoten nicht ganz einfach. In manchen ist Fotografieren und Filmen komplett verboten, in anderen kostet das Mitführen einer richtigen Kamera teils ziemlich hohe Gebühren. Besonders weil es unsere ersten Cenoten-Erfahrungen waren, war ich außerdem sehr zögerlich, meine große Kamera samt Blitzen mitzunehmen.
Stattdessen entschied ich mich für eine kompakte Kombination aus meiner GoPro und einer meiner Dragon-Videoleuchten. Die Fotos in diesem Beitrag sind daher eher dokumentarisch und zur Anschauung gedacht als fotografische Meisterwerke.
Die Videoaufnahmen, besonders die Szenen mit viel einfallendem Licht, sind allerdings richtig gut geworden. Auf meinem YouTube-Kanal werde ich deshalb noch ein Video nachreichen und anschließend hier im Beitrag einbinden.
Kukulkan: unser erster Blick in die Unterwelt
Unser erster Cenoten-Tauchgang führte am 16. August in die Cenote Kukulkan: 54 Minuten, maximal 14,5 Meter tief.
Kukulkan besitzt eine relativ große offene Wasserfläche und einen geräumigen Cavern-Bereich. Besonders faszinierend sind die Lichteffekte. Sonnenlicht fällt durch den Eingang und bildet im klaren Wasser teilweise einen regelrechten Lichtvorhang.
Weiter im Inneren führt die Route durch eine Halocline. Dort kann das ansonsten glasklare Wasser plötzlich wirken, als hätte jemand einen transparenten Vorhang davorgezogen.
Was ist eigentlich eine Halocline?
Eine Halocline ist eine Wasserschicht, in der sich der Salzgehalt innerhalb einer vergleichsweise geringen Tiefendifferenz stark verändert.
In den küstennahen Höhlensystemen Yucatáns liegt häufig leichteres Süßwasser über salzhaltigerem Wasser. Treffen beide Wasserschichten aufeinander, entsteht eine deutlich sichtbare Grenzzone.
Für Taucher ist das spektakulär. Sobald jemand durch diese Mischzone schwimmt, beginnt das Bild zu flimmern und zu verschwimmen. Es sieht aus, als würde man durch bewegtes Glas schauen. Kommt man vollständig auf der anderen Seite an, ist die Sicht schlagartig wieder glasklar.
Wir konnten uns daran tatsächlich kaum sattsehen.
Auch die Temperatur konnte sich beim Durchqueren dieser Schichten merklich verändern. In unseren Logbüchern lagen die Cenoten meist bei 25 oder 26 Grad. In tieferen salzhaltigen Bereichen zeigte unser Computer teilweise bis zu 29 Grad.
Chac Mool und Little Brother: Licht, Tropfsteine und ein Dach über dem Kopf
Der zweite Tauchgang desselben Tages führte uns zu Chac Mool beziehungsweise zum Seiteneingang Little Brother. 52 Minuten, maximal 12,5 Meter.
Chac Mool zeigt bereits sehr gut, wie viele Dinge bei einem einzigen Cenoten-Tauchgang zusammenkommen können. Es gibt große Tropfsteinformationen, Stalaktiten, unterschiedliche Lichtstimmungen, eine Halocline und Bereiche, in denen man innerhalb der Höhle wieder an einer Luftkammer auftauchen kann.
An solchen Stellen versteht man plötzlich, warum der Begriff „Höhle“ allein diese Umgebung nicht besonders gut beschreibt. Man taucht nämlich nicht einfach durch einen dunklen Tunnel. Es wechseln sich offene Bereiche, Gegenlicht, völlige Dunkelheit, Tropfsteine, Luftkammern, Wurzeln und glasklares Wasser ab. Und dann taucht man auf einmal irgendwo mitten unter dem Dschungel innerhalb einer Höhle auf.
Das ist schon ziemlich speziell.
Dos Ojos: einmal Barbie, einmal Fledermäuse
Zwei Tage später ging es zu einer der bekanntesten Cenoten der Region: Dos Ojos.
Der Name bedeutet „zwei Augen“ und bezieht sich auf die beiden nahe beieinanderliegenden Zugänge. Für Sporttaucher gibt es dort zwei klassische Cavern-Routen: die Barbie Line und die Bat Cave.
Unsere beiden Tauchgänge waren mit acht und zehn Metern nicht tief. Dafür ist Dos Ojos ein gutes Beispiel dafür, wie wenig Tiefe über die Intensität eines Tauchgangs aussagt.
Die helleren Bereiche führen zwischen Säulen, Stalaktiten und Stalagmiten hindurch. Die Bat Cave wirkt dagegen deutlich höhlenartiger. Dort kann man während des Tauchgangs in einer Luftkammer auftauchen, in deren Deckenbereich tatsächlich Fledermäuse leben.
Genau hier beginnt auch dieses merkwürdige Gefühl für Räume, das Cenoten erzeugen. Man sieht mitunter nicht, wie groß ein Bereich wirklich ist. Die eigene Lampe beleuchtet einen Teil der Wand, irgendwo weiter vorne schwebt das Licht des Guides und zwischen den Tropfsteinen verschwindet der Rest im Dunkeln. Wenig später öffnet sich plötzlich wieder ein riesiger Raum.
Beim Dos-Ojos-Tag standen am Ende 55 und 48 Minuten in unseren Logbüchern. Kein Tiefenrekord, keine Strömung, keine spektakuläre Tierwelt. Trotzdem zwei Tauchgänge, an die wir uns sehr deutlich erinnern.
Chikin Ha: durch einen Tunnel in den Dschungel schauen
Am 20. August folgte Chikin Ha. 63 Minuten Tauchzeit, maximal 14 Meter.
Bei Chikin Ha wird besonders deutlich, wie wichtig der Sonnenstand für einen Cenoten-Tauchgang sein kann. Licht fällt durch den Eingangsbereich und erzeugt im klaren Wasser scharf abgegrenzte helle Zonen. Stefan passte für uns genau den richtigen Zeitpunkt ab.
Die Route führt durch längere überdachte Passagen. An einigen Stellen blickt man aus dem dunkleren Inneren wieder hinaus in den grünen Dschungel. Dazu kommen helles Kalkgestein und Haloclines, die das Licht zusätzlich verzerren.
Das klingt beim Lesen fast konstruiert. Unter Wasser versteht man aber schnell, was damit gemeint ist: Man schwimmt durch einen dunkleren Bereich und irgendwo vor einem erscheint plötzlich ein fast unnatürlich helles Fenster aus Grün, Blau und Sonnenlicht.
Es sind diese Kontraste, die Cenoten so fotogen machen. Und gleichzeitig braucht man irgendwann keine Kamera mehr, weil man einfach nur schauen möchte.
Jardín del Edén: mitten durch die Halocline
Der zweite Tauchgang des Tages war Jardín del Edén, auch El Eden oder Ponderosa genannt. Eine Stunde Tauchzeit, maximal 13,4 Meter.
Der Einstieg wirkt eher wie ein kleiner See als wie ein klassisches Loch im Dschungel. Von dort geht es hinein in das Höhlensystem.
Auch El Eden ist für starke Lichteffekte bekannt. Im tieferen Bereich befindet sich eine ausgeprägte Halocline, die teilweise noch vom Tageslicht erreicht wird. Dadurch kann man besonders gut beobachten, wie andere Taucher scheinbar in der flirrenden Grenzschicht verschwinden und wenige Augenblicke später wieder messerscharf sichtbar werden.
Spätestens an diesem Tag war klar: „Cenoten-Tauchen“ ist eigentlich eine viel zu grobe Kategorie. Chikin Ha und El Eden lagen beide in einem ähnlichen Tiefenbereich. Trotzdem wirkten sie völlig unterschiedlich. Und wir hatten noch lange nicht das Merkwürdigste gesehen.
Orquídea: durch die Wolkendecke tauchen
Am 25. August kam Cenote Orquídea. Und Orquídea war anders.
Unser Logbuch verzeichnet 25,8 Meter maximale Tiefe, 45 Minuten Tauchzeit und bei der Sichtweite schlicht „0 bis 50 Meter“.

Das ist keine Übertreibung, denn Orquídea ist deutlich tiefer als die zuvor von uns betauchten Cenoten. Das auffälligste Merkmal liegt ungefähr bei 20 Metern: eine dichte Schwefelwasserstoffschicht. Eine solche Schicht kennt man auch aus der wesentlich bekannteren Cenote Angelita. Dort war die Sicht nach den Regenfällen allerdings zu schlecht und die Schwefelwasserstoffschicht liegt noch einmal deutlich tiefer. Also führte uns dieser Tauchtag stattdessen tief in den Dschungel zu Orquídea.
Man schwebt die ersten 20 Meter auf eine scheinbar geschlossene Wolkendecke zu.
Dann taucht man hinein.
Und für einen kurzen Moment ist praktisch nichts mehr da. Nicht mal mehr die Hand vor Augen.
Kein Boden. Keine Umgebung. Nur milchiges Weiß beziehungsweise Grau und die eigene Lampe, die kaum etwas verändert.
Wenige Meter später kommt man auf der anderen Seite heraus und das Wasser ist plötzlich wieder glasklar.
Das Gehirn braucht einen Moment, um das zu sortieren.
Unter einem liegt eine Landschaft aus dunklen Baumstämmen und organischem Material. Über einem hängt eine geschlossene Wolkenschicht. Und man selbst schwebt irgendwo darunter im Wasser.
Wenn man nach einem Tauchplatz sucht, der aussieht, als gehöre er nicht auf diesen Planeten, ist Orquídea ein ziemlich guter Kandidat.
Woher kommt diese „Schwefelschicht“?
Umgangssprachlich wird häufig von einer Schwefelschicht gesprochen. Tatsächlich spielt hier vor allem Schwefelwasserstoff, H₂S, eine Rolle. Die Zone, in der sich die chemische Zusammensetzung des Wassers stark verändert, lässt sich als Chemokline bezeichnen. Sie kann in Cenoten räumlich mit einer Halocline zusammenfallen oder unmittelbar an sie angrenzen. Beides bezeichnet aber nicht dasselbe Phänomen.
Der Prozess funktioniert ungefähr so: Blätter, Äste und anderes organisches Material fallen über lange Zeit in die Cenote und sinken nach unten. Mikroorganismen bauen dieses Material ab. In sauerstoffarmen Wasserschichten können sulfatreduzierende Mikroorganismen Sulfat als Elektronenakzeptor nutzen und dabei Sulfid bilden, darunter Schwefelwasserstoff.
Aus Tauchersicht ist die Chemie allerdings erst einmal zweitrangig. Man schwimmt auf eine Wolke zu, verschwindet darin und kommt darunter wieder in klarem Wasser heraus. Manchmal nimmt man dabei sogar in der Maske den typischen Geruch nach faulen Eiern wahr.
Das vergisst man nicht so schnell.
Orquídea war übrigens auch die einzige der von uns besuchten Cenoten mit wirklich rudimentärer Infrastruktur. Bei allen anderen Tauchplätzen fanden wir Toiletten und Möglichkeiten zum Duschen. Orquídea hatte bei unserem Besuch lediglich eine Toilette. Dafür waren Parkbereich, Wege, Treppen und Einstiege liebevoll gestaltet, und rundherum bekam man Dschungelgefühl pur.
Tajma Ha: Laserstrahlen unter Wasser
Unser achter und leider letzter Cenoten-Tauchgang führte anschließend nach Tajma Ha. 56 Minuten, maximal 13,6 Meter.
Und wieder war alles anders.

Tajma Ha ist besonders für seine Lichteffekte bekannt. Die Route führt durch unterschiedliche Bereiche mit vielen Tiefenwechseln, Haloclines und eindrucksvollen Tropfsteinformationen.
Vor allem der Lichteinfall ist schwer angemessen zu beschreiben oder zu fotografieren. An manchen Stellen trifft das Sonnenlicht nicht als breiter Lichtvorhang auf das Wasser, sondern als einzelne, extrem klar abgegrenzte Strahlen. Im dunkleren Höhlenraum sehen sie tatsächlich aus wie riesige Laserstrahlen. Dazwischen schweben Taucher.
Man bewegt sich ein Stück weiter, dreht sich um und das Bild sieht schon wieder komplett anders aus. Als wir nach diesem Tauchgang auftauchten, hatten wir vier Tauchtage hinter uns. Ursprünglich waren zwei bis drei geplant gewesen.
Was uns an den Cenoten am meisten überrascht hat
Vor der Reise hätten wir wahrscheinlich gesagt, dass Cenoten vor allem für ihre Sichtweiten und Höhlen bekannt sind. Das stimmt zwar, trifft aber den Kern überhaupt nicht.
Es ist die Abwechslung.
Manchmal taucht man in einem großen, offenen Raum. Dann geht es durch einen weißen Gang, der fast wie ein Korridor in einem Raumschiff wirkt. Kurz darauf hängt über einem eine Decke aus Stalaktiten. Man blickt aus zehn Metern Tiefe durch glasklares Wasser hinaus in den grünen Dschungel. Ein anderer Tauchgang führt durch eine flirrende Halocline. Wieder ein anderer unter eine Schwefelwasserstoffwolke.
Dann gibt es Lichtvorhänge. Einzelne Sonnenstrahlen. Spiegelungen an völlig ruhigen Wasseroberflächen. Luftkammern mit Tropfsteinen. Und Fledermäuse.
Das Wasser selbst ist dabei häufig so klar, dass die Entfernung zu anderen Tauchern schwer einzuschätzen ist. Bei Tajma Ha notierten wir 100 Meter Sicht, bei mehreren anderen Tauchgängen einfach das Unendlichkeitszeichen.
Nach Meerestauchgängen ist man daran gewöhnt, dass Fische, Korallen oder andere Tiere einen großen Teil des Erlebnisses ausmachen. In den Cenoten braucht es das alles nicht. Hier ist der Tauchplatz selbst die Sehenswürdigkeit.
Chichén Itzá und Valladolid mit SANTI TOUR
Mexiko sollte für uns aber ausdrücklich nicht nur unter Wasser stattfinden. Einer der Tage, die uns deshalb ebenfalls besonders in Erinnerung geblieben sind, war unser Ausflug nach Chichén Itzá und Valladolid mit SANTI TOUR, einem deutschsprachigen Touranbieter an der Riviera Maya.

Mit viel Charme, Humor und noch mehr Informationen ging es früh morgens los. Unser erster Stopp war ein farbenfroher lokaler Friedhof. Statt dort nur kurz auszusteigen und ein paar Fotos zu machen, bekamen wir erklärt, wie Tod und Erinnerung in Mexiko gelebt werden, welche Bedeutung Traditionen wie der Día de Muertos haben und welche Bezüge es dabei bis heute zur Kultur und zu den Vorstellungen der Maya gibt. Genau solche Stopps machten den Tag für uns besonders, weil man nicht einfach von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit gefahren wurde, sondern unterwegs immer wieder etwas über das Land und die Menschen erfuhr.
Danach ging es weiter nach Chichén Itzá. Dort führte uns Hilario auf Deutsch durch die Tempel, Pyramiden und Zeremonienstätten und erzählte mit beeindruckendem Detailwissen über das Leben der Maya, ihre Architektur, Astronomie, Rituale und Geschichte. Dabei fühlte sich die Führung nie wie eine trockene Geschichtsstunde an. Vielmehr bekam man an den einzelnen Bauwerken plötzlich eine Vorstellung davon, wie durchdacht und komplex diese Stadt einmal gewesen sein muss.
Nach so viel Geschichte kam die Abkühlung gerade recht. Auf einer alten mexikanischen Hacienda gab es ein leckeres landestypisches Mittagessen und anschließend die Gelegenheit, in einer Cenote zu baden. Für uns war das nach den vorherigen Tauchtagen eine lustige Umkehrung: diesmal eine Cenote nicht mit Flasche auf dem Rücken, sondern einfach mit Badehose und Schwimmweste.

Den Abschluss bildete Valladolid mit einem Stopp am Kloster und einem Besuch der Innenstadt. Die farbenfrohen Häuser, der Marktplatz und das deutlich ruhigere Tempo waren noch einmal ein schöner Kontrast zu Chichén Itzá. Begleitet wurden wir an diesem Tag von Fidel, Hilario und Maxi, während Eric uns sicher durch Yucatán fuhr.
Was uns an diesem Ausflug besonders gefallen hat, war die Mischung. Es gab unglaublich viele Informationen, aber nie das Gefühl, den ganzen Tag einen Vortrag zu hören. Dazu kamen viel Herzlichkeit, gute Stimmung, Getränke und Verpflegung und genug Zeit, die einzelnen Orte tatsächlich auf sich wirken zu lassen. Ein langer (und sehr heißer) Tag, aber einer, bei dem wir abends das Gefühl hatten, Mexiko ein kleines Stück besser verstanden zu haben.
Und dann war da noch Cozumel
Ganz ohne Karibik wollten wir Mexiko natürlich trotzdem nicht verlassen. Also machten wir mit Clara einen Tagesausflug nach Cozumel. Weil es ein gemeinsamer Familientag werden sollte, entschieden wir uns bewusst gegen Gerätetauchen und für eine Schnorcheltour mit dem Cozumel Snorkel Center.
Beim eigentlichen Schnorcheln waren wir allerdings etwas enttäuscht. Vielleicht waren unsere Erwartungen nach all den Beschreibungen einfach zu hoch. Wir sahen einige kleinere Rochen und große Seesterne, aber deutlich weniger Unterwasserleben, als wir erwartet hatten.
Auch das Guiding fanden wir an diesem Tag eher durchwachsen. Wir hatten ein wenig das Gefühl, recht wahllos über das Riff geführt zu werden, statt gezielt interessante Stellen oder Tiere gezeigt zu bekommen. Selbst etwas abseits der Gruppe nach schönen Plätzen oder Tieren zu suchen, war nicht möglich. Mit jeweils nur 20 bis 25 Minuten waren die einzelnen Schnorchelstopps außerdem ziemlich kurz.
Das ist ausdrücklich unsere Erfahrung an diesem einen Tag und kein Urteil darüber, dass man auf Cozumel generell schlecht schnorcheln könne. Bedingungen, Route, Guides und schlicht etwas Glück spielen bei jeder Tierbeobachtung eine Rolle.

Der Ausflug selbst wurde trotzdem richtig gut. Die Gruppe auf unserem Boot verstand sich hervorragend, aus der Tour entwickelte sich zunehmend eine kleine Party und spätestens beim letzten Stopp standen wir gemeinsam im flachen türkisfarbenen Wasser. Dazu gab es Guacamole, Nachos und andere Snacks sowie kalte Getränke, die von einem SUP-Board aus serviert wurden.
Und dann kamen die Rochen!
Mehrere Tiere schwammen völlig entspannt zwischen den Menschen hindurch und kamen erstaunlich nah. Sie wirkten auf uns sehr an die regelmäßig dort ankernden Boote und Menschen gewöhnt und warteten offenbar darauf, dass irgendwo ein Stückchen Essen im Wasser landete.
Gerade für Clara war es natürlich beeindruckend, die Tiere aus dieser Nähe im Wasser zu beobachten. Am Ende war das eigentliche Schnorcheln also gar nicht der Höhepunkt des Schnorchelausflugs. Manchmal funktioniert Urlaub eben so.
Fotoimpressionen






























Mexiko hat uns bekommen
Nach zwei Wochen war Mexiko für uns deutlich mehr als das Ziel einer Tauchreise.
Da waren die Menschen, bei denen Freundlichkeit erstaunlich selten wie einstudierte Dienstleistung wirkte. Das Essen. Playa del Carmen. Die Ausflüge. Die Maya-Stätten. Chichén Itzá. Die Überfahrt nach Cozumel. Die Fahrten über kleine Straßen und Schotterpisten irgendwo in den Dschungel.
Und immer wieder diese unscheinbaren Eingänge in eine Welt, von der man an der Oberfläche kaum etwas ahnt.
Am Anfang hatte Stefan gesagt, er könne zwei Wochen lang jeden Tag mit uns tauchen gehen und uns dabei jeden Tag eine Cenote zeigen, die sich völlig anders anfühlt als die vom Vortag.
Nach dem ersten Tauchtag fand ich die Aussage ziemlich ambitioniert.
Nach dem vierten hatten wir acht Tauchgänge hinter uns und keinerlei Grund mehr, daran zu zweifeln.
Wir sind am 28. August nach Deutschland zurückgeflogen.
Und während ich diese Zeilen schreibe, ist eigentlich nur eine Sache wirklich sicher:
Wir waren nicht das letzte Mal dort.
